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 Optimierung von Startverhalten und Leerlauf – Neue Wege 
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Registriert: 5. September 2019, 21:43
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Beitrag Optimierung von Startverhalten und Leerlauf – Neue Wege
Ich habe natürlich die gleichen Probleme wie die meisten, was Startverhalten und Leerlauf angeht. Zündkerzenbild war immer schwarz selbst nach 10 km Volllast. Bei mir handelt es sich um einen Leo aus Bj. 1998. Dank der umfassenden Ausführungen der Webseite von Reinhold Messner bin ich die Probleme angegangen, doch haben alle Tipps nicht wirklich was gebracht. Ich habe also nach neuen Wegen gesucht und nach sehr viel Recherche auch neue Ansätze gefunden, die ich euch nun, ohne jede Gewähr, mitteilen will.
Sollten meine Erkenntnisse schon veröffentlicht sein, bitte ich um Nachsicht. Alle Einträge zu studieren ist ein bisschen aufwändig.

Kapitel 1: Choke

Er funktioniert oder eben nicht. Das ist falsch. Es hat mich immer gestört, dass bereits nach kurzer Standzeit der Choke ohne Notwendigkeit aktiv ist. Kein Strom bedeutet nunmal, dass sich der Kolben zurück zieht und den Kanal zur Schwimmerkammer frei gibt. Gleichfalls ist die Dauer der Chokephase beim Kaltstart für mich zu lange.

Lösung:
Der Choke ist einstellbar, ob man es glaubt oder nicht. Man entferne die zwei kleinen Nieten der Schutzkappe und dann eben diese. Der Choke besteht klar erkennbar aus 2 Teilen und hat ein Gewinde. Bei mir war es frei, eventuell ist es ein bisschen mit Kleber fixiert. Die Chokebohrung im Vergaser weist 3 Löcher auf. Unten mittig für die Nadel des Chokekolben. Seitlich 2 Bohrungen, die auf ca. 14,5 mm unterhalb der Chokeaufnahme sitzen. Mein Choke war im Ruhezustand auf ca. 12 mm vom Chokegehäuse bis Kolbenende eingestellt. Somit ergibt sich eine Strecke von ca. 2,5 mm bis die Bohrungen überhaupt erreicht werden. Bei einem Gesamthub von ca. 5 mm schafft der Choke es kaum diese Bohrungen zu verschliessen.

Kurzerhand den Choke durch Drehen des Oberteils so eingestellt, das er im Ruhezustand auf 13,5 mm steht. Um genügend Gewinde für weitere Feinjustierungen zu haben, wurde ein kleiner Metallstift, der vom Ausdehnungsgefäß raus schaut, kurzerhand um ca. 2 mm gekürzt. Ergebnis ist eine normale Startfunktion aber eine erheblich verkürzte Chokephase. Kann natürlich auf die aktuellen Witterungsbedingen, insbesondere Winter angepasst werden. Im Uhrzeigersinn macht er schneller zu und umgekehrt. Wobei 1 Umdrehung etwa 1 mm Bewegung des Chokekolbens bedeuten. Aktuelle Chokephase ca. 30 bis 45 Sekunden. Sehr detailliert bei den Kollegen im Hexagon-Forum.de nachzulesen.

Chokealternative:

Die Besonderheit beim Leo sind nur 18,5 mm Chokedurchmesser und der Kolben steht bereits auf besagten 12 bis 13 mm Hub. Die Standardchokes haben meist 20mm Aufnahmen und einen viel zu kurzen Kolben. Was kaputt geht ist meist das Heizelement und das Ausdehnungselement. Hier sollten die Teile eines „Dellorto Choke“ helfen. Also zerlegen, zu Not mit Gewalt, und Einzelteile tauschen. Sehr detailliert bei den Kollegen im Hexagon-Forum.de nachzulesen.

Kapitel 2: Vergaserbedüsung

Problem ist ein ständig schwankender und unruhiger Leerlauf. Leerlaufschraube (die kleine oben) darf max. ¼ Umdrehung geöffnet werden, sonst überfettet er. Auch hier hat die Recherche ergeben, dass Einstellbereiche unter 1 Umdrehung bzw. über 2,5 Umdrehungen zu Handlungsbedarf führen. Es handelt sich hier ja um eine Benzinregulierung, keine Luftregulierung. In Verbindung mit der Gemischanreicherung des Choke beim Start einfach des Guten zu viel. Beim Leo haben Leerlaufdüse 42,5 und Hauptdüse 107,5 ein Verhältnis von 0,39 zu 1. Nach meiner Recherche liegen die meisten Bedüsungen bei ca. 0,29 zu 1 bis 0,32 zu 1. Leo also zu fett?!

Lösung:

Nebendüse 36 bis 38 einsetzen. Ich habe eine 38 verbaut, da mir die 36 bis Halbgas zu mager erscheint. Dies führt auch zu einer besseren Zerstäubung, da bei gleicher Strömungsgeschwindigkeit weniger Benzinteilchen „verteilt“ werden müssen. Das entspricht einer Verkleinerung der Düsenbohrung um 20 % bezüglich der Oberfläche. Aber erst mal eine finden. Baugleich zu finden für eine Yamaha FJ 1200. Hersteller ist Keyster. Artikelnummer KYS-15A037,5. Alternativ geht auch ein Düsenset von Naraku für PHBN/PHBG M5. Erhältlich bei Roller.com Artikel-Nr.: 2981378. Set mit 10 Düsen von 30 – 50. Diese sind allerdings 3-4 mm kürzer, aber funktionieren. Bei der Gelegenheit natürlich gleich Grundreinigung aller Düsen und Kanäle. Nicht vergessen den Sitz vom Schwimmerventil auszubauen. Hier ist ein kleines Filtersieb, das verschmutzt zu verringertem Benzinzufluß führt. Die Leerlaufdüse ist bis ca. ¼ Gas für die Gemischbildung zusätzlich verantwortlich. Also nicht nur das Standgas.

Leerlaufschraube läßt jetzt einen relativ breiten Bereich zu, in dem der Leo rund läuft und ist auch nicht mehr so sensibel auf geringste Bewegungen. Grundeinstellung ca. 1 Umdrehung.

Kapitel 3: Benzinreservoir; Besonderheit bei BJ. 98

Diesen „Zusatztank“ habe ich kurzerhand rausgeschmissen. Man nehme einen T/Y- Verbinder (Stärke 5 mm) und verbinde die 2 obersten Schläuche, also Vor- und Rücklauf. Der dritte Anschluß geht dann zum Vergaser. Diesen Schlauch habe ich zu Kontrollzwecken durchsichtig gewählt. Diese Lösung gibt es ab Werk ab Bj. 99.

Kapitel 4: Einstellarbeiten

Wie hören sich 1400, 1500 oder 1600 Umdrehungen Standgas an? Ich habe mir zu diesem Zweck einen digitalen DZM gekauft, der induktiv über das Zündsteckerkabel funktioniert. 4 bis 5 mal umwickeln und gut ist. Bewährt hat sich hier die Marke BOCAST. Auch sehr nützlich bei der Abstimmung der Variomatik.

Ansonsten gilt, wie immer, warm gefahren und alles dicht, also auch keine Nebenluft. Luftfilter sauber und Zündkerze ok.

Resümee: Mir erscheint der Roller ab Werk weit zu fett eingestellt. Gerade beim Kaltstart ist die Kombination aus falsch justiertem Choke plus reichlich zu groß dimensionierte Leerlaufdüse tödlich. Beim Warmstart greift der Choke wiederum auch zu stark und zu lange ein. In Kombination mit der zu großen Leerlaufdüse führt auch dies zu Startproblemen.

Meiner startet nun i.d.R. auf den ersten Knopfdruck. Schnurrt relativ stabil auf 1450 U/min. im Standgas. Verbrauch auch gesunken und sehr weicher Übergang beim Gas wegnehmen.


Vielleicht helfen meine Erkenntnisse dem einen oder anderen. Wie immer gilt alles ohne Gewähr und Nachahmung auf eigenes Risiko.


13. September 2019, 10:45
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Registriert: 15. August 2009, 12:26
Beiträge: 286
Wohnort: Stuttgart
Beitrag Re: Optimierung von Startverhalten und Leerlauf – Neue Wege
Guten Abend zusammen,

also, leider habe ich mit diesem Beitrag etwas Probleme...

Zum ersten Absatz: Der Herr heißt Reinhold Meissner - so viel Zeit muss sein.

Zum Beitrag insgesamt und insbesondere zum Résumé: Für mich liest sich der Beitrag so, wie wenn alle Leonardos falsch eingestellte Vergaser ab Werk hätten. Nachdem der Roller schon mehr als 20 Jahre im Verkehr ist, ist das meines Erachtens eine "steile Behauptung". Ich fahre meinen Roller schon sehr lange und kann das überhaupt nicht bestätigen. Beim Kaltstart ist das Gemisch "fett" genug, dass er sofort anspringt und nach längerer Fahrt ist das Kerzenbild wunderbar ausgewogen. Alle zwei Jahre bei der AU erreicht der Roller sehr gute Abgaswerte, was bei einer zu fetten Gemischaufbereitung nicht erreicht werden würde. Ausserdem glaube ich nicht, dass die Damen und Herren bei Aprilia nicht in der Lage sind den Vergaser optimal einzustellen. Desweiteren frage ich mich, ob die vorgeschlagenen Änderungen nicht "Bauliche Veränderungen" sind, die zur Erlöschung der Betriebserlaubnis führen und letztlich den Versicherungsschutz gefährden?

Was ich allerdings auch berichten kann, dass ich just vor ein paar Monaten auch Probleme mit zu fettem Gemisch hatte. Die Lösung des Problems war aber letztlich eine gänzlich andere. Angefangen hat es damit, dass der Roller nach dem Ampelstopp kein Gas angenommen hat. Zuerst trat das Problem nur ab und an auf und ich habe ihm keine große Bedeutung beigemessen. Dann wurde es im Laufe der Zeit immer schlimmer, bis ich nur noch mit sofortigem Vollgas an der Ampel weg kam. Recht bald fiel mein Verdacht auf die Startautomatik. Nachdem ich diese näher untersucht habe, habe ich auch gleich die Ursache gefunden. Es war die elektrische Zuleitung die sich langsam aber sicher "verabschiedet" hat. Leitungsbruch :twisted: . Und da es sich bei der Zuleitung um eine feindrähtige Leitung handelt, bricht sie nicht gleich komplett durch, sondern Drähtchen für Drähtchen. Somit steigt der Übergangswiderstand an der Bruchstelle mit jedem Bruch etwas an, was zu einem langsamen Absinken der Versorgungsspannung der Startautomatik führt. Diese Quittiert das mit einem trägeren ansprechen. Nach längerer Fahrt kann der Roller also durchaus wieder normal laufen.

Die defekte Leitung war schnell erneuert und der Roller läuft wieder super! :D

Gruß

Andreas

_________________
Leo 1, Bj. '97
110.000 km (15.09.2019)
Tauschmotor bei 93673 km
Bereifung: Bridgestone Hoop B02
Probleme mit Volllastaussetzern durch zus. el. Benzinpumpe bei 25.000 km behoben.


25. September 2019, 21:37
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Registriert: 5. September 2019, 21:43
Beiträge: 9
Beitrag Re: Optimierung von Startverhalten und Leerlauf – Neue Wege
Hallo Herr Hoffmann,

zunächst Verzeihung, dass ich den Namen von Herrn Meissner falsch getippt habe. Die Finger wollten wohl das i nicht finden.

Wenn ALLE Leos ab Werk so toll eingestellt sind, frage ich mich, warum sowohl auf der Leo Homepage von Herrn Meissner als auch hier im Forum das Thema Startverhalten geschätzte 100 Mal behandelt wurde. Mit so glorreichen Tipps wie in Schlauch pusten, Faltenbalgschlauch zudrücken, Roller auf die Seite kippen, Startpilot benutzen etc.. Oder auch der Hinweis des Herrn Meissner, dass es wohl eine abgeänderte Nadel für den Kolben der Startautomatik gibt.

Meine gesamten Ausführungen beziehen sich auf die Nebendüse oder auch Leerlaufdüse des Vergasers. Eine AU wird aber nun mal nicht bei Standgas durchgeführt. Hier ist dann die Hauptdüse gefragt und an der habe ich nichts auszusetzen.

Der Vorbesitzer meines Leos fuhr auch jahrelang mit abgerissenen Anschlüssen der Startautomatik und eingerissenem Faltenbalkschlauch am Luftfilterkasten und fand, dass er toll läuft. Klar, zu viel Luft und zu viel Sprit hebt sich bei viel Glück wieder auf. Das Kerzenbild war rußig schwarz.

Und wer meint im Sommer bei 30 Grad mit angereichertem Gemisch, und das minutenlang, starten zu müssen soll es machen. Den Handchoke meiner 750 Ducati kann ich im Sommer 10 sek. nach dem Start deaktivieren oder gar ganz weglassen.

Ich bin glücklich mit meinen legalen Veränderungen und niemand wird genötigt es mir gleich zu tun.

Vielleicht sollte ich sogar davor warnen, denn ich habe mehr als 10 Mal den "Choke" feinjustiert um ein für mich optimales Startverhalten zu haben. Wer also weder den Klang des Motors noch die Drehzahl richtig deuten kann soll es dann doch lieber bleiben lassen.

Gruß


26. September 2019, 07:35
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Registriert: 15. August 2009, 12:26
Beiträge: 286
Wohnort: Stuttgart
Beitrag Re: Optimierung von Startverhalten und Leerlauf – Neue Wege
Klar, jeder kann nach seiner Fasson glücklich werden. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden. Nur bei Verallgemeinerungen habe ich dann manchmal so meine Probleme :wink: . Bei meinem Leo besteht derzeit bspw. keinerlei Handlungsbedarf und mein Vergaser wurde seit Neukauf, abgesehen von einer Erneuerung der Schiebermembrane, nie verändert. Es spielt eben auch eine Rolle, ob der Roller regelmäßig gefahren wird, oder meistens längere Zeit nicht bewegt wird.

Übrigens, die Abgaswerte bei der Leo HU werden selbstverständlich vom Prüfer im Leerlauf bei Standgas (Sollwert 1500 1/min.) und betriebswarmem Motor gemessen.

Gruß!

_________________
Leo 1, Bj. '97
110.000 km (15.09.2019)
Tauschmotor bei 93673 km
Bereifung: Bridgestone Hoop B02
Probleme mit Volllastaussetzern durch zus. el. Benzinpumpe bei 25.000 km behoben.


26. September 2019, 15:18
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